Montag, 1. April 2019

Vom Scheitern und Loslassen


Heute ist ein sehr guter Tag um abzuschließen, 
Montag, erster Tag eines neuen Monats und der Frühling hat auch gerade begonnen,
mir hilft so eine Konstellation immer sehr für einen Neuanfang. 

Meine inzwischen wenigen, aber herzenstreue Leserinnen 
haben ja mitbekommen, dass es bei uns wiedermal drunter und drüber ging,
besonders unser Pflegekind hat sich als besondere Challenge erwiesen. 

Nachdem wir heute jede Verantwortung für das Mädchen abgegeben haben, 
muss ich mir eingestehen, dass wir am Ende trotz aller Bemühungen gescheitert sind. 

Da kämpfst du ein halbes Jahr darum, dass ein Mensch, bzw. sogar eine ganze Familie 
eine zweite Chance bekommt und dann werfen sie diese Chance einfach weg, 
weil sie die Probleme, die ganz offensichtlich da sind, wegleugnen. 

In den letzten Wochen habe ich sehr viel darüber reflektiert, 
wo wir Fehler gemacht haben und besser anders gehandelt hätten, 
den größten Vorwurf mache ich mir wegen unserer grenzlosen Naivität und 
- ja, nennen wir es beim Namen - Dummheit
und der Konsequenzen, die das nach sich zog. 

Wir haben uns eingebildet, wir könnten die ganze Familie retten
und am Ende würden sie alle glücklich und zufrieden gemeinsam in den Sonnenuntergang laufen. 

Tja, das Leben läuft nunmal nicht so, 
umso gutmütiger und hilfsbereiter du bist, umso mehr wirst du auch ausgenutzt, 
weil Menschen offensichtlich einfach so ticken.

Wie oft werden wir das noch aushalten?
Wie lange wird es diesmal dauern, bis wir uns erholt haben? 

Im Moment ist mein Herz wie ein großer trauriger Klumpen, 
das Mädel hätte es wirklich verdient gehabt, dass sie über sich hinauswächst, 
sie hat schon so viel geschafft, sie war schon so tapfer, 
vielleicht war es am Ende einfach zu viel verlangt
diesen allerletzten großen Schritt auch noch zu gehen, 
nachdem der Weg dorthin schon so steinig war. 

Wenn wenigstens die Erwachsenen ihre eigenen Bedürfnisse zurückgestellt hätten 
und ihr auf den letzten Metern geholfen hätten, 
aber nein, sie mussten ihr ja noch zusätzliche Gewichte anhängen... 

Wir haben zwar eine Menge Dinge ins Rollen gebracht, 
eine ganze Mannschaft an professionellen Helfern organisiert, 
letztendlich muss sie jetzt aber selber um sich kämpfen wollen, auch wenn es hart ist. 

Ich persönlich habe keine Kraft mehr um für sie zu Kämpfen, 
meine Komfortzone steht sowieso schon ganz verloren irgendwo 2018 rum, 
die muss ich jetzt erstmal wiederfinden. 

Mein (manchmal) weiser Ehemann sagt oft: 

Es gibt schon einen Grund, warum du dir im Flugzeug zuerst selber
die Sauerstoffmaske aufsetzen sollst, bevor du anderen hilfst...


Und genau darum werde ich mich in den nächsten Wochen kümmern: 
selber wieder zu Atem kommen, loslassen, heilen. 

Und sollte ich das in den nächsten Wochen nicht alleine auf die Reihe bekommen, 
dann werde ich mir Hilfe holen, 
denn (auch wenn offensichtlich) nicht jeder dieser Meinung ist:

es ist okay, etwas nicht alleine zu schaffen und sich Hilfe zu holen! 

Noch eine kleine Vorwarnung: 
ab jetzt lesen wir uns hoffentlich wieder öfter! 

 




Kommentare :

kristina hat gesagt…

Es tut mir leid, das ihr es nicht geschafft habt, vor allem dem Mädchen zu helfen. Aber leider, wie du es schreibst, sie müssen sich helfen lassen wollen. Ich finde es ganz toll, dass ihr es trotzdem gewagt habt. Und wer weiss, vielleicht hat die ganze Aktion ja doch irgendwo ganz tief im Inneren einen Stein ins Rollen gebracht und es muss erst noch an die Oberfläche kommen. Ich denke nicht, dass es ganz unsonst war.
Wichtig ist aber, dass es dir wieder gut geht und du wieder atmen, leben kannst. Und ja, wenn nötig, hole dir Hilfe, dafür ist sie da. Keiner muss alles mit sich alleine ausmachen.
Ich glaube an dich und drücke dich ganz feste.
Lg kristina

verfuchstundzugenäht hat gesagt…

Oh ja! Es ist total in Ordnung sich Hilfe zu holen! Und das mit der Sauerstoffmaske hat auch was... muss ich schon sagen. Im echten Leben bin ich da aber auch nciht so gut darin. Ganze Welt mit einem Kind retten - das Gefühl kennt man als Lehrerin nur zu gut. Man kann gscheiter werden, aber hoffentlich nie träge und abgestumpft. Alles Liebe - schnauf mal durch!

K didit hat gesagt…

Liebe Claudia,
das klingt nach einer heftigen Erfahrung - für die gesamte Familie. Es tut mir leid für euch und für das Mädl, dass es ausgegangen ist, wie es ausgegangen ist, aber angebotene Hilfestellung muss auch angenommen werden, denn sonst wird es zur Aufopferung - aber das hast du ja selbst schmerzlich erkennen müssen. Ich bin davon überzeugt, ihr habt alles versucht, doch man kann nur die Hand ausstrecken, genommen werden muss sie von der anderen Seite. Ich drück dich! Nimm dir die Zeit, die du brauchst! Fülle deine Energiereserven, trauere und schau nach vorn.
Alles Liebe, Kathrin

Klaudia hat gesagt…

Gerade gestern habe ich an dich gedacht und dass ich schon lange nichts mehr von dir gelesen habe, jetzt freu ich mich, dass du dich heute wieder gemeldet hast!

Ja, mit dem Scheitern ist es so eine Sache... Mir ging das auch schon so, für mich war mein Ziel ganz klar, vernünftig und logisch, aber die anderen wollten/konnten da nicht mit. Natürlich hatte ich auch Zweifel, ob ich richtig gehandelt, ob ich alles Mögliche getan hatte, und ich konnte mir sagen: Ja, habe ich. Aber es konnte nicht angenommen werden. Mir hat das geholfen, das nicht zu persönlich zu nehmen und mich auch nicht ausgenutzt zu fühlen. Was ich versucht habe, habe ich gerne und überzeugt getan, es hat halt im Moment nichts genutzt. Natürlich ist es verrückt, jemandem zuschauen zu müssen, wie er alles wegwirft, was ihn unterstützen könnte, wie er ein Lügengebilde aufbaut, um nicht handeln zu müssen, aber es nützt nichts. Hilfe aufzwingen funktioniert leider nicht.

Ihr habt getan, was für euch möglich war, und ich denke, mehr müsst ihr auch nicht mehr tun. Schaut auf euch, schau auf dich! Die Türe muss ja nicht zugeworfen werden. Vielleicht war deine Hilfe noch zu früh, vielleicht braucht dich das Mädchen später wieder einmal, wenn sie sich von den anderen lösen kann. Wichtig ist, dass du dich erholen und tief durchatmen kannst, damit du wieder Kraft für den Alltag hast. Der Mut, wieder zu helfen, wenn es notwendig ist, der kommt dann auch wieder.

Tu dir was Gutes und schau auf dich! Und ich freu mich sehr, wenn du wieder Zeit für neue Ideen hast!
Liebe Grüße!
Klaudia

Kurz und gut hat gesagt…

Das tut mir sehr leid für euch Am meisten Leid tut es mir aber, dass DU dir jetzt Vorwürfe machst. Im Gegenteil, du solltest stolz auf dich und deine Familie sein, denn ihr habt zumindest versucht, was die meisten - ich eingeschlossen - sich nicht mal zu versuchen trauen würden.
Und jetzt hol ganz schnell deine Comfortzone wieder raus, stell sie in den Garten und freu dich an der frühlingsdone und deiner tollen Familie (und allen voran am weisen Ehemann ;-)
Alles Liebe Babsy

LÖwin.g hat gesagt…

Wie bin ich froh und sehr stolz auf dich, dass du diese Hürde geschafft hast. Nach unserem letzten Gespräch habe ich mir echt Sorgen gemacht. Klar, wirst du daran noch länger kiefeln und weil es deine Art ist, die Fehler auch, bzw.vor allem bei dir suchen. Du hast alles gegeben was du konntest, du und deine Familie. Es ist keine Scheitern, meine Liebe, es war ein Lernprozess an den du dich immer erinnern wirst. Du musst immer gut auf dich aufpassen, damit du genug Engerierecourcen hast, die du weitergeben kannst. Dein Mann ist vielleicht wirklich weiser als du denkst.
Schau jetzt ganz fest auf dich und ich freue mich schon so dich bald zu sehen.
Bussi
Birgit

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